Das Herz als Organ
Nach Stephen Harrod Buhner in Health and Spirituality April 2006
Mit dem EFT-Ansatz begannen wir ein neues Paradigma zu erforschen. Wir erfuhren hautnah die Macht der internen Energie. Wir haben unser Wissen um die Vorgänge in unserem gesamten menschlichen System erweitert. Und manchem kam das Staunen über diese Zusammenhänge von Körper, Seele, Emotionen und Energie.
Ich habe vor kurzem einen Bericht von S.H. Buhner gelesen, der mich sehr angesprochen hat. Dieser Mann ist ein Psychotherapeut, beschäftigt sich mit Heilkräutern und lehrt Therapie seit 36 Jahren.
Er beginnt mit einer Erfahrung, die wir alle schon erlebt haben und die wir kaum mit Worten beschreiben können. Sein Beispiel: ein Hundebaby schnüffelt vor sich hin, erkundigt seine Welt mit der Nase, du rufst es, es springt auf dich zu, du nimmst es in die Arme. Und in diesem Moment scheint etwas von dem Hündchen aus- und in dich hineingehen und von dir geht etwas aus und geht in es hinein. Du willst dann nichts anderes, als in dieser Umarmung zu bleiben und diese Wärme und Nähe zu halten.
Ähnliche Erfahrungen machen wir öfters mit lieben Freunden, unseren Kindern. Und manchmal überkommt einen auch ein ähnliches Gefühl, wenn wir einen geliebten Platz wiederfinden, einen Baum, eine Gegend, die wir ins Herz geschlossen haben.
Die alten Griechen kannten es gut. Sie benannten es aesthesis. Wörtlich: einatmen. Sie erkannten, dass im Moment der Begegnung und Berührung ein Einatmen einhergeht, eine besondere Art von inspiratio, ein Einziehen von Geist. Sie sahen diesen Vorgang dann, wenn eine innere seelische Wesenheit von uns mit einer Wesenheit außerhalb von uns Kontakt aufnahm und eins wurde. Das ist übrigens die Wurzel unseres Wortes Ästhetik.
Wenn man Leute, die in verschiedenen Erdteilen noch nach alten Kulturen leben, fragt, wo sie in ihrem Körper leben, zeigen sie auf das Herz; während wir wohl oft auf unseren Kopf zeigen würden. Es ist wahr, dass jene Leute ihre Welterfahrung anders definieren als wir Westler. Antoine de Saint-Exuperie drückt dies so aus: Und hier ist mein Geheimnis, mein sehr einfaches Geheimnis. Man sieht nur mit dem Herzen richtig. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.
Die Bedeutung liegt in den Molekülen
Die Forschungen über das Bewusstsein in den 60er Jahren haben sich fast ausschließlich auf das Gehirn konzentriert. Der Grund liegt wohl in der Überzeugung, das dieses Organ uns von allen anderen Erdenbewohnern unterscheidet. Einige Forscher wandten sich anderen Themen zu, z.B. Rollin McCray vom Heart Math Institute. Er und andere vermuteten, dass das Bewusstsein mobil sein könnte und nicht an einen bestimmten Ort im Körper, z.B. im Gehirn, festgelegt sei.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Forschungen war das Modell, dass unsere Organe und Körper hoch komplexe non-lineare Organismen sind, deren Ganzheit weit mehr als die Summe der einzelnen Teil ist.
Der Medizinprofessor Ary L. Goldberger, Harvard University: "....Der Körper ist ein kompliziertes symphonisches System, der Natur gleich...." Nichtlineare Systeme, die aus mehrfachen Subsystemen zusammengesetzt sind (wie der Körper) können nicht verstanden werden, wenn man diese Komponenten einzeln untersucht.
Um jedoch diese nichtlineare Systeme zu verstehen ist es hilfreich, auf das Verhalten von Molekülen zu schauen. Forscher fanden heraus, dass, wenn Milliarden von Molekülen in einem Behälter eingeschlossen werden, diese sich ohne ein bestimmtes Muster verhalten. Aber zu irgend einem Zeitpunkt, der nicht vorhersagbar ist, beginnen spontan alle Moleküle sich im gleichen Rhythmus zu bewegen und als ein Ganzes zu schwingen, als ein System. In diesem Moment der Synchronizität kommt irgend etwas ins Dasein, das mehr als die Summe der einzelnen Teile ist. Und dieses Irgendetwas man kann es die Seele dieses Systems nennen - kann in keinem der Teile nachgewiesen werden!
Im Moment der Synchronizität beginnt dieses System dann auf andere, größere Systeme einzuwirken. Und dies geschieht als ununterbrochener Strom von sehr schneller Information also in Form von
Temperaturschwankungen, Geschwindigkeit, Druck, chemischen, elektrischen und magnetischen Daten.
Der Biologe Jan Walleczek von der Stanford University hat nachgewiesen, dass von den Teilen zum Ganzen und vom Ganzen zu den Teilen dieser Strom fließt, um das System zu stabilisieren. Die Anlagen innerhalb der Moleküle, die die elektromagnetische Signatur (EM) genannt werden, teilen dem empfangenden Organismus mit, welche Auswirkungen diese Inputs auf das neue System haben. Diese werden dann analysiert und integriert. Und darauf antwortet das System wieder.
Alle lebenden Systeme agieren nach diesem Muster. Sie enthalten eine ausgezeichnete Empfindsamkeit für jede Unterbrechung ihrer Harmonie. Sie erinnern sich dieses Gleichgewichtes, weil sie hoch intelligent sind und eine innere seelische Kraft besitzen, jene Kraft die dann entsteht, wenn das Ganze mehr als die Summe der Einzelnen wird.
Das HERZ ist ein solches nichtlineares, selbstbalancierendes System. Es besitzt eine Selbstorganisation und ein eigenes Verhalten. Es funktioniert nicht nur als eine endokrine Drüse, sondern auch so wie eine eigene Art von Gehirn:
ein erkennendes Wahrnehmungsorgan, außerdem als mächtiger elektromagnetischer Generator und Empfänger.
Das Herzfeld
Das Herz enthält Zellen für den Herzschlag. Im ersten Moment der Selbstorganisation beginnt die erste Herzschlagzelle in einem bestimmten Rhythmus zu schwingen und oszillieren. Jede neue Zelle hängt sich dieser ersten an und schlägt im gleichen Rhythmus. Das nennt man im Englischen "eintrainment" (= im Einklang mitschwingen). Einzelne Schrittmacherzellen beginnen zu schwingen und Millionen solcher hängen sich dran: eine neue Einheit beginnt. Goldberg: "Nichtlineare Kopplungen schaffen ein Verhalten, das jedem traditionellem (linearen) Erklärungsmodell Hohn spricht."
Wenn das Herz voll funktioniert, dann produziert es ein elektromagnetisches Feld, das um ein Vielfaches größer ist als das der Summe der einzelnen Teile. Dieses Herzfeld ist 5000mal stärker als das des Gehirns. Mit feinen wissenschaftlichen Geräten kann es auf 3 Meter entfernt gemessen werden. Am stärksten ist dieses Herzfeld ca. 50 cm vom Leib entfernt, es reicht aber unendlich in den Raum, wie Radiowellen, wie der Biologe Mae-Wan vom Institute of Science in der Fachzeitschrift Society festgestellt hat.
Herzzellen schwingen nicht nur miteinander. Das Herz schwingt sich auf andere elektromagnetische Felder in seiner Umgebung ein. Wenn zwei Herzfelder im gleichen Rhythmus schwingen, geschieht ein Informationsaustausch in Sekundenschnelle, was wieder
Veränderungen in den Herzfunktionen, Hormonausschüttungen und physiologischen Reaktionen hervorruft.
Eine Art von Dialog beginnt.
Ein Beispiel: ein Therapeut und ein Patient treffen sich. Dann kann man das Herzverhalten (Elektrocardiograph, ECG) des Therapeuten sowohl im ECG wie auch im EEG (Gehirnschwingungen) nachweisen, wie Rollin McCraty nachgewiesen hat. Das Herzfeld des Heilers schwingt den Patienten in ein gesundes Verhalten.
Das Einschwingen des Herzrhythmus ist für uns alle eine natürliche Erfahrung vom Anfang unseres Lebens an. Im Mutterleib schwingt das Herz des Kindes im Rhythmus mit dem der Mutter. Nach der Geburt verhält es sich ebenso, wie es J.C. Pearce in seinem Buch: The Biology of Transzendence beschreibt. Das Herzfeld der Mutter ist voll von Informationen und Bedeutungen, einschließlich wie sie sich in Bezug auf dieses Kind fühlt. Tatsächlich wirken sich unsere Gefühle immer auf die Kodierung unserer Herzwellen aus. Babies wie alle lebenden Systeme nehmen diese Informationen auf und decodieren sie entsprechend. Auch nach der Geburt sind wir für diese Felder empfänglich, weil wir in dieser Art von Sprache geworden sind. Später nehmen wir meist unbewusst diese Informationsfelder auf und testen sie. Wie wir diese Felder wahrnehmen, ist bei uns Menschen einzigartig: wir erfahren sie als Emotionen.
Kurz gesagt: das Herz ist ein äußerst sensibles Organ, dessen Bereich die Gefühle sind, wie wir instinktiv wissen. Jüngste Forschungen haben den Grund dafür entdeckt: unser Herz verarbeitet eine spezielle Bandbreite von EM Signalen, die wir als ganz eigene emotionale Komplexe erleben. Diese EM-Signale werdern durch das Herz aufgenommen, aber im Gehirn in derselben Weise verarbeitet wie die anderen Sinneseindrücke, z.B. Sehen und Riechen. Unglücklicherweise lässt diese Art emotionaler Wahrnehmung der Welt nach in dem Moment, wenn wir unsere Bewusstheit nur noch auf das Denken konzentrieren und nicht mehr auf das Herz.
Die Informations-Autobahn Herz-Gehirn
Lebende Organismen besitzen äußerst komplexe elektromagnetische Felder, die alles über dieses jeweilige Lebewesen in sich tragen: seine Gesundheit, Geschichte, sein Potential, usw. Wenn ein solches EM-Feld in und durch das Herz aufgenommen wird, dann wird diese Information an das Gehirn weitergeleitet. Dieses ananlysiert die Information und extrahiert die Bedeutung dieser Information aus der EM-Signatur.
Das Herz kann als eine Art Gehirn oder Wahrnehmungsorgan funktionieren, weil ca. 60% der Herzzellen Nervenzellen sind, die wie die Gehirnzellen funktionieren. Sie formen sich in Ganglien zusammen und verbinden mit dem Nervennetz des Körpers durch Axon-Dendriten. Und das ist kein Zufall. Das Herz verfügt über direkte Verbindungen zu bestimmten Bereichen des Gehirns. Diese Verbindungen wiederum schaffen einen direkten, ungehinderten Informationsfluss vom Herzen, wie neueste Forschungen dokumentieren (Uni Arizona und Heart Science Foundation).
Das Herz ist tatsächlich direkt verbunden mit der Amygdala, dem Thalamus, Hippocampus und Cortex; also mit den Gehirnzentren, die mit emotionalen Erinnerungen, Sinneserfahrungen, der Entzifferung der Sinneseindrücke, Problemlösungen, Begründungen und Lernen betraut sind. Um diese Kommunikation mit dem Gehirn und dem zentralen Nervensystem immer aufrecht zu erhalten, fabriziert das Herz seine eigenen Transmitter, je nach Bedarf.
Die Gehirn-Herz Verbindung ist außerdem durch eine sogenannte Herz-Kohärenz erweitert (nach McCraty). Während der Kohärenz bestimmt der Herzschlag den Rhythmus für den ganzen Körper. Dadurch werden die Amplituden der Herzwellen vergrößerst, was wiederum dem Herzfeld eine größere Tiefe und Kraft gibt. Diese Kohärenz bringt unmittelbar eine Veränderung im Gehirn. Große Bereiche im Vorderhirn beginnen im Herzrhythmus zu oszillieren und die Gehirnwellen schaukeln sich auf den Herzwellen auf. Die Wahrnehmungen dieser Gehirnzellen (d.h. die Art wie sie Information verabeiten) unterscheidet sich sehr von der üblichen Denkweise, wenn die Bewusstheit im Herz lokalisiert ist.
So wie die Gehirnfunktion sich verändert, so verändert sich auch unser Sehen und Lernen. Was Leute wahrnehmen, wenn sie vom Herzen her leben, ist sehr unterschiedlich von der Wahrnehmung, wenn sie aus dem Gehirn leben. Unter der Kohärenz öffnet sich eine neue Welt, und Dinge, die man normal nicht wahrnimmt, werden Allgemeinplätze.
Wenn jemand in diesem Zustand der Herzkohärenz seinem Herzfeld erlaubt, sich in das Herzfeld eines Anderen einzulassen, dann geschieht ein rapider Austausch von Informationen zwischen ihnen. Dieser Austausch vollzieht sich in einer ganz eigenen Sprache meist ohne Worte. Man kann sagen: es ist ein Erkennen von Bedeutungen ohne Sprache. Information fließt zuerst durch das Herz, wird zum Gehirn geleitet, wird dort übersetzt, im Vergleich wie Radiowellen im Empfänger in Musik umgesetzt werden. Aber im Menschen ist das weit komplexer. Das Gehirn übersetzt ja Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen, Erfahrungen und Wissen in Klang, Bilder, Betasten, Geschmack und Geruch.
Aus diesen Übersetzungen der Sinnesformen, die wiederum durch unsere Kultur geprägt sind, erwachsen unsere Bedeutungen (Beliefsysteme).
Die Gestalt des Herzfeldes
Wir alle leben in bedeutsamen Informationsfeldern. Diese umfließen uns seit unserer Geburt. Wir erleben diese Felder nicht als ein Strom von Wörtern auf einer Buchseite, sondern vielmehr als Emotionen, so wie das Leben uns berührt. Dieser Austausch, der in unserem Herzen wurzelt, ändert unser Leben, bestimmt seine Qualität, erinnert uns, dass wir nie allein sind. Es verbindet uns mit dem Grund unseres Seins, woher wir kommen. Es nährt in uns eine natürliche Empathie für die Welt um uns. Wir sind ein intelligenter Organismus unter vielen, eine beseelte Form inmitten anderer.
Diese Herzenswahrnehmung bringt uns von einer Ratio-Orientierung in einem toten, mechanischen Universum in eine Welt, in der die je eigenen Wahrnehmungen und Gefühle geschätzt und unterstützt werden. Sie ermöglicht eine tiefe Erfahrung der lebendigen Beseeltheit der Welt, die uns immer in das Gewand des Lebens einwebt.
Es kann sein, dass wir darin keine Praxis mehr haben, aber unsere Veranlagung zu einer Herzenswahrnehmung kommt natürlicherweise wieder zu uns, sie ist ja nie ganz abhanden gekommen.
Mit etwas Übung ist es möglich, das eigene Herzfeld kennenzulernen, genauso wie man die eigenen Hände kennt. So kann man auch das Herz gebrauchen, um die Welt um uns herum zu ertasten und zu berühren. Es ist auch möglich, sich mit voller Absicht in das Herzfeld anderer einzuklinken und diesen Austausch der besonderen Information zu erleben. Dann wird das so natürlich wie unser Herzschlag.


