
What´s your Problem?
Bei einer Therapieausbildung vor vielen Jahren habe ich gelernt, dass der Therapeut den Klienten den Weg in die Therapie erleichtern solle, indem er am Anfang keine ‚schwierige’ Fragen stellen dürfe. Lieber solle er/sie fragen, ob sie den Weg in die Praxis gleich gefunden hätten, ob das mit dem Parkplatz geklappt habe, etc.
Man nannte das ‚joining’.
In Palo Alto habe ich dann die Prinzipien der Kurzzeit-Therapie kennen gelernt. Da war Prägnanz angesagt, keine Umschweife, sondern ziemlich klar: jetzt beginnen wir damit, wozu ihr gekommen seid. Alles mit Respekt, Empathie und Freundlichkeit, aber keine Umschweife. Dort nannte man das ‚bridging’, also Brücken bauen. Der Therapeut sollte zeigen, dass er als Fachmann da ist und die sich ganze Zeit voll und ganz auf ‚Lösungen’ ausrichtet. Also: Kontakt: ja. Spiralen: nein.
Ist das nun eine Stilfrage? Dort schien es ein Teil der Methode zu sein. Die Klienten wussten, dass hier eine Kurzzeit-Intervention angeboten wird und keine Hundert-Stunden-Couch bereit steht. Also: auf das Wesentliche fokussieren! Wir lernten dadurch, dass bei einem gewissen Zeitdruck die Gedanken- und ‚Begründungs’- Systeme deutlicher hervortreten als bei einem Softy-Plausch. Damit wurde auch das Eigenprofil von den anderen Ansätzen abgehoben.
Wie hältst Du es in Deiner Praxis?
Welche ‚Eröffnungszüge’ hast Du Dir angeeignet?
Welches Modell fährst Du?
Hier in Amerika eröffne ich meist mit der Frage: What’s your problem?
Das ist zwar nur die erste Frage – aber ich bin immer gespannt, wie die Antwort darauf ausfällt.
Darüber ein andermal.
Ich wünsche Dir einen guten Sommer – ohne ‚problem’.
Rudolf
