skip to content

Fallstudien

Hier können Sie einen Einblick gewinnen in die unterschiedlichsten EFT-Anwendungsfelder.

 

Ärzte und Therapeuten berichten aus der Praxis.
Bitte wählen Sie einen Artikel über das Drop-Down-Menü (unter diesem Text) aus...

 

 

Anwendungsfelder

EFT und Borderline

Ein Bericht von Dr. Tina Auboeck

 

EFT Kontraindikationen bzw. EFT Anwendung in einem geschützten Rahmen (z.B.: Klinik) und fachärztlicher psychiatrischer Begleitung

Borderline Persönlichkeitsstörungen gehören zu jenen Diagnosen bei denen ich EFT nur in einem geschützten Rahmen (z.B. Klinik) mit fachärztlicher psychiatrischer Begleitung anwende.

Borderline - Persönlichkeitsstörung (BPS), emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Borderline -, was auf Deutsch "Grenzlinie" bedeutet, wird in den Grenzbereich zwischen neurotischen, psychotischen und Persönlichkeitsstörungen  eingeordnet. Wir finden Symptome aus allen Bereichen. Gekennzeichnet ist die Borderline-Störung durch eine anhaltende Instabilität in sozialen Beziehungen, im Selbstbild und der Stimmung. Die Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns sind beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen äußert, sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst.

Borderline-Patienten gelten als "stabil in der Instabilität", d. h. sie müssten eigentlich laufend (psychotisch) dekompensieren, tun es aber nicht.

Aufgrund einer komplizierten innerseelischen Störung (Fachausdruck: "frühe Störung") erlebt sich der Patient ständig schwankend zwischen "gut" und "böse" und spaltet auch seine zwischenmenschlichen Beziehungen in gute und böse auf, ohne zu einer brauchbaren Integrationslösung zu kommen. ("Schwarz - Weiß - Malerei")

Mögliche Ursachen:

  • Genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse (familiärer Hintergrund wie chaotisch instabile Familien, vernachlässigende und emotional missbrauchende Familien)
  • Schwere Traumatas


Beginn: im frühen Erwachsenenalter, meistens in der Kindheit latent vorhanden; 70% bei Frauen diagnostiziert.

Beschwerdebild: Überaus beschwerlich, vielgestaltig, erschöpfend, kaum erträglich bis quälend sowohl für den Patienten als auch für das Umfeld.

Häufig sind ängstliche Befürchtungen oder Vermutungen, krank zu sein oder krank zu werden. Es kommt zu ausgeprägten Selbstbeobachtungen des eigenen Körpers bzw. seiner Organfunktionen. Die Patienten suchen beharrlich nach Krankheitszeichen und da sie nichts finden führt dies zu großen Anspannungen ( nichts finden heißt schlimmer als erwartet!).

Typisch ist auch das häufige Gefühl der chronischen Langeweile und inneren Leere und dann wiederum Ängste vor dem Alleinsein. Typisch sind Beziehungsstörungen im zwischenmenschlichen Bereich. Sie versuchen verzweifelt, ein Verlassenwerden zu vermeiden. Das Leben ist geprägt von Krisen, Beziehungskonflikten und sozialer Isolation.
Häufigste Konfliktursache ist eine Mischung aus idealisierender Verklärung und Abwertung ein und derselben Person. Es besteht eine Neigung zu Derealisation (alles so komisch, fremd, sonderbar) oder gar Depersonalisation (ich bin nicht mehr ich).
Weiter bestehen oft Stimmungsschwankungen und eine ausgeprägte Unsicherheit was Berufswahl, zwischenmenschliche Aspekte oder Sexualität betrifft. Ganz besonders besteht eine Neigung zur Selbstbeschädigung, z. B. durch Alkohol-, Nikotin- oder Drogenmißbrauch. Aber auch die psychosoziale Selbstbeschädigung durch Impulshandlungen wie Ladendiebstahl, Glücksspiele, u.a. Am schlimmsten sind die fremd-aggressiven Zustände wie hochgradige Empfindlichkeit gegen jegliche Kritik, Zorn, Wut, selbst-aggressive Durchbrüche mit Selbstbeschädigung bis hin zur Selbstverstümmelung. Die Suicidgefahr ist deshalb hoch.

Der Verlauf einer Borderline Störung ist langwierig und chronisch. Die Prognose ist sehr ungünstig.

 

Häufige Komorbiditäten:

  • Depressionen: bei 90 % der BPS - Patienten lassen sich endogene Depressionen (= körperlich bedingte Depressionen) feststellen
  • AD(H)S: bei 50 - 60% der BPS - Patienten ist eine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung feststellbar und umgekehrt. (häufig Verwechslung dieser Störungsbilder!)
  • Die Therapie ist schwierig:
  • Am erfolgreichsten ist noch eine stützende Kognitive Verhaltenstherapie, Familienfokussierte Therapie und Interpersonelle Therapie mit Regulierung der sozialen Rhythmik.
  • Medikamentöse Basistherapie: wie Lithium, Antidepressiva. Neuroleptika bzw. Antipsychotika nur bei schwerem psychotischen, suicidalem Verhalten.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen für eine BPS - Diagnose erfüllt sein:

  • Extrem intensive, aber häufig wechselnde Beziehungen, Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertungen.
  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  • Neigung zu möglichem selbstschädigenden Verhalten (z.B.: aggressives Autofahren, Drogenmißbrauch, zügelloser Sex, Essstörungen, Ladendiebstahl u.a.).
  • Starke Stimmungsschwankungen (z.B.: hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, die gewöhnlich einige Stunden bis maximal einige Tage andauern).
  • Unangemessene Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren.
  • Selbstverletzungen und / oder Selbstmorddrohungen oder -versuche.
  • Unsicherheit im Selbstbild, der sexuellen Orientierung, bei der Berufswahl oder den persönlichen Wertvorstellungen.
  • Extreme Angst vor dem Verlassen werden; auch wenn für den Partner kein Grund besteht, dies zu tun.
  • Starke Gefühle der Langeweile und der inneren Leere.
  • Verfolgungsphantasien oder Persönlichkeitsspaltung; meist vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.


Dr. Tina Auböck

^nach oben